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Lebhafter Austausch zwischen den Fachwelten

35. Expertengespräch Psychiatrie und Recht des LWL-Maßregelvollzuges

LWL-Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg (v.l.) und AFoPs-Bildungsmanager Harald Joachim Kolbe (v.r.) freuen sich mit den Referent:innen über den Erfolg des Expertengesprächs, zu dem die LWL-Maßregelvollzugsabteilung mit ihrer LWL-Akademie für Forensische Psychiatrie (AFoPs) eingeladen hatte.

September 2022 | Rund 50 Fachleute aus Psychiatrie und Justiz trafen sich zum 35. „Expertengespräch Psychiatrie und Recht“ auf Einladung der LWL-Maßregelvollzugsabteilung und der LWL-Akademie für Forensische Psychiatrie (AFoPs) in Münster. Vorgestellt wurden sowohl innovative Ansätze aus der klinischen Praxis wie auch gesetzliche Hintergründe und Entwicklung neuer Rechtsvorschriften. Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg und AFoPs-Bildungsmanager Harald Joachim Kolbe moderierten den lebhaften Austausch zwischen den Fachwelten.

Während Gudula Hommel als Gruppenleiterin Maßregelvollzug im NRW-Gesundheitsministerium das neue Strafrechtsbezogene Unterbringungsgesetz NRW (StrUG) vorstellte, berichteten Prof. Boris Schiffer, Therapeutischer Direktor der LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne, und die beiden Richterinnen am Amtsgericht Dortmund, Barbara Kalfhaus und Anke Kempkens, von der Umsetzung des StrUG und den Erfahrungen damit.

Eine weitere Gesetzesreform stand im Mittelpunkt des Vortrags von Petra Meyer aus dem Bundesjustizministerium in Berlin. Sie berichtete über den aktuellen Stand der Novellierung des Paragrafen 64 im Strafgesetzbuch, der die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt regelt. Die bisherige Fassung führe nach einhelliger Expertenmeinung zu Fehlanreizen bei der Einweisung und damit am Ende zu Überbelegungen in Entziehungskliniken. Ob die neue Fassung, die voraussichtlich Anfang 2023 in den Bundestag eingebracht werden soll, geeignet ist die Fehlanreize abzustellen, darüber diskutierten die Fachleute ausführlich und durchaus kontrovers.

Genesungsbegleitung im Maßregelvollzug

Sehr interessiert zeigten sich die Teilnehmenden an den Erfahrungen aus der Dortmunder Wilfried-Rasch-Klinik, in der die Pflege- und Erziehungsteams durch einen Genesungsbegleiter mit konstruktiv nutzbarer Lebenserfahrung ergänzt worden sind. Gemeinsam mit der pflegerischen Bereichsleiterin Anne Brendian berichtete der ausgebildete Genesungsbegleiter Dirk Michgehl über seine strukturierte Integration ins Team und die Erfolge seiner Arbeit. Außerdem sprach der bekannte Psychologe Prof. Dr. Thomas Bock vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf über neue Behandlungsformen von Personen mit Schizophrenie und Psychosen, und Dr. Martin Reker, Leitender Arzt der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel, referierte darüber, wie Therapie- und Hilfeplanung für suchtkranke Straftäter vom Betroffenen aus entwickelt werden sollten.