LWL-Direktor: "Keine Trennung von Pflege- und Sicherheitsdienst!"
Bundeskonferenz stellt forensisch-psychiatrische Pflege in den Mittelpunkt
Bei der Bundeskonferenz der forensisch-psychiatrischen Pflege stellten Dr. Georg Lunemann (4.v.r.), Direktor des LWL, LWL-Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg (4.v.l.) und die Pflegedirektoren der forensischen LWL-Kliniken (v.l.) Hubertus Gerlach, Sören Reinke, Axel Schröder, Stefan Schuchardt und Stephan Deimel die Pflege in den Mittelpunkt. Durch die Tagung führte Poetry Slammerin Dominique Macri. Bild: LWL
15./16. Juni 2026 | Mit der zweitägigen Bundeskonferenz der forensisch-psychiatrischen Pflege hat der LWL-Maßregelvollzug Mitte Juni die Themen seiner größten Berufsgruppe in den Mittelpunkt gestellt. Vor rund 150 Teilnehmenden bekräftigte der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Georg Lunemann, die wichtige Rolle des Pflege- und Erziehungsdienstes im Maßregelvollzug - sowohl in Bezug auf die pflegerischen Kernaufgaben als auch für die Sicherheit der forensischen Unterbringung.
"Unterstützung und Förderung, aber eben auch Kontrolle und Sicherung liegen in der forensischen Psychiatrie sinnvollerweise in einer Hand", sagte Lunemann. Die Idee, pflegerische Aufgaben klar von hoheitlichen Sicherheitsaufgaben zu trennen und dann gänzlich einer anderen Gruppe zu übertragen, wie aktuell von der Pflegekammer NRW gefordert, sei sehr problematisch und schaffe nicht mehr, sondern weniger Sicherheit in den forensischen Kliniken.
Um kritische Situationen wirklich sachgerecht zu bewältigen, brauche es ein grundlegendes Verständnis von psychisch kranken und suchtkranken Patientinnen und Patienten im Maßregelvollzug. "Bei uns übernehmen Pflegefachpersonen - genauso übrigens wie Beschäftigte anderer therapeutischer Berufsgruppen - Aufgaben, die zur Deeskalation und dem Schutz aller beitragen" erklärte Lunemann. Sicherungsaufgaben als fachfremd einzustufen und auf einen Sicherheitsdienst zu übertragen, wie es die Pflegekammer fordere, vereinfache die komplexe Realität der Versorgung in Maßregelvollzugskliniken und entwerte damit die Professionalität der forensischen Pflege. "Sie - und eben nicht ein Sicherheitsdienst - können beurteilen, ob ein auffälliges Verhalten risikobehaftet ist und die Person aktuell eigen- und fremdgefährlich sind", rief der LWL-Direktor den Teilnehmenden zu.
Um das anspruchsvolle Aufgabenspektrum im Maßregelvollzug zu erfüllen, seien die Pflege- und Erziehungsteams in den forensischen LWL-Kliniken in einem so genannten "Skills-Mix" aufgebaut, was bedeute: Nicht jeder macht alles. Unter anderem werden den examinierten Pflege- und Erziehungsfachleuten Assistenzkräfte zur Seite gestellt, die diese bei reinen Kontroll- und Beaufsichtigungsaufgaben, Patientenbegleitungen sowie administrativen Aufgaben unterstützten. Gleichzeitig ermöglichten die Kliniken interessierten Pflegemitarbeitenden ein berufsbegleitendes Studium, um die Weiterentwicklung der forensischen Pflege voranzutreiben oder ihre Fähigkeiten in besonders herausfordernden pflegerischen Verläufen patientennah einzusetzen.
"Aus meiner Sicht ist diese Differenzierung der pflegerischen Tätigkeiten der sinnvollste Weg, um den vielfältigen Anforderungen einer modernen forensisch-psychiatrischen Pflege zu begegnen", bekräftigt Lunemann. Die Kampagne der Pflegekammer #nichtdeinjob habe ihn sehr irritiert, sagt er und betont: "Dieses Thema sollte nicht für eine öffentlichkeitswirksame Profilierungskampagne genutzt werden, die an dem hohen Qualifikations- und Aufgabenniveau der Pflege im Maßregelvollzug vorbeigeht!"