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Die Pflege im Maßregelvollzug - eine Stimme mit Gewicht

Das Miteinander in den Wohngruppen als Lernfeld nutzen

Vielseitig und anspruchsvoll

Begleitung von Ausgängen, Pflegeplanungsgespräche, Dokumentation – das Aufgabenspektrum einer Fachperson für Pflege und Erziehung im Maßregelvollzug ist vielseitig und anspruchsvoll. Bei der Beurteilung der Patienten spielen Ihre Beobachtungen eine wichtige Rolle, denn die Pflegefachkräfte sind im Schichtdienst rund um die Uhr präsent und damit wichtige Bezugspersonen für die Patienten.

Die Pflege- und Erziehungsteams bilden die größte Berufsgruppe in den Maßregelvollzugskliniken. Hier arbeiten Gesundheits- und Krankenpfleger, Erzieherinnen, Heilerziehungspfleger und Altenpflegerinnen. Zum Berufseinstieg sind Erfahrungen im Umgang mit psychisch kranken oder suchtkranken Menschen von Vorteil.

Tragfähige Beziehung aufbauen

„Die Herausforderung besteht darin, einen Zugang zu den Patienten zu finden und darauf eine tragfähige Beziehung aufzubauen“, erklärt Pflegedirektor Axel Bergstermann. Wenn das gelinge, wirke das Pflegeteam wie ein Frühmeldesystem für aufziehende Störungen. „Meistens können wir so früh reagieren, dass gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen“, beschreibt Bergstermann die Wirkung der langfristigen Beziehungsarbeit.

Dieser Effekt spielt auch bei Ausgängen eine große Rolle: Bemerkt der Krankenpfleger im Vorgespräch Auffälligkeiten, kann er einen bereits genehmigten Ausgang aussetzen. Bergstermann: „Die Stimme der Pflege hat Gewicht im Maßregelvollzug.“

Pflegerisches Handeln gestalten

In regelmäßigen Pflegeplanungsgesprächen besprechen Sie gemeinsam mit dem Patienten, was bisher erreicht wurde und welche Ziele als Nächstes verfolgt werden sollen. So gestalten Sie ihr pflegerisches Handeln als zielgerichteten Prozess. Jedem Patienten werden hierfür gleichbleibende Bezugspersonen zugeordnet.

Um den vielfältigen pflegerischen Aufgaben gerecht zu werden, fördert der LWL-Maßregelvollzug die Weiterqualifizierung und den Austausch zwischen Forschung und Praxis: Zum Beispiel durch eine eigene Akademie für forensische Psychiatrie (AfoPs) oder die Unterstützung eines Bachelorstudiums. Zur Entlastung im Alltag wird den Teams häufig eine Assistenz für reine Verwaltungs- und Orga-Aufgaben zur Seite gestellt.

Impulse für soziales Lernen

 „Man muss gerne kommunizieren, Interesse daran haben, durch eigenes Verhalten etwas zu bewirken“, so bringt es eine Krankenpflegerin im Film unten auf den Punkt. Jede Alltagssituation, jede Begegnung kann zur Ausgangssituation für soziales Lernen werden.

Wie gehen wir miteinander um? Wie lösen wir Konflikte? Wie gestalten wir unsere Freizeit? Hier sind Sie als Pflegefachkraft gefragt: als Vorbild, als Moderatorin oder als Lotse. Im Sinne der Sozio-Milieutherapie nutzen die Pflege- und Erziehungsteams das Miteinander in den Wohngruppen als Therapiesituation. Ein fundiertes Verständnis der Krankheitsbilder und der Delikthintergründe ist die Basis für diese Arbeit.

Kontrolle und medizinische Maßnahmen

In den Wohngruppen begleiten Sie lebenspraktische Tätigkeiten wie die eigenverantwortliche Verpflegung oder die persönliche Ordnung und Hygiene der Patienten. Wo scheinbar die Vermittlung von Alltagsfertigkeiten im Vordergrund steht, eröffnet sich gleichzeitig ein Übungsfeld für soziales Miteinander.

Darüber hinaus führen Sie ärztlich angeordnete Maßnahmen durch, zum Beispiel die Medikamentenausgabe oder Blutzuckermessung, und Sie haben zahlreiche Kontroll- und Sicherheitsaufgaben. Dazu gehört die Zimmerkontrolle ebenso wie die Aufsicht über Gegenstände, die nicht oder nur bedingt in Patientenhände gelangen dürfen, wie etwa bestimmte DVDs, Küchenmesser oder alkoholhaltige Pflegeartikel.


Über die Schulter geschaut: Kurzfilm über die Arbeit der Pflegeteams

Drei Fachkräfte aus dem Pflege- und Erziehungsdiens im LWL-Maßregelvollzug nehmen uns mit in ihren Arbeitsalltag und sprechen über ihre Aufgaben, ihr Sicherheitsgefühl und ihre Motivation, in einer forensischen Klinik zu arbeiten.


Ihre Arbeitsbedingungen im LWL-Maßregelvollzug

Fragen und Fakten

Pflegekräfte werden je nach Ausbildung, Weiterqualifizierung und Funktion in das Tarifsystem des Öffentlichen Dienstes (hier TVöD-K) eingruppiert. Als dreijährig ausgebildete Pflegefachkraft und bei Wahrnehmung entsprechender Aufgaben sind Sie zum Beispiel in die Entgeltgruppe P 8 des Pflegetarifs eingruppiert. Je nach Berufserfahrung werden Sie innerhalb dieser Entgeltgruppe einer individuellen Erfahrungsstufe zugeordnet.

Daneben erhalten Sie gesonderte Zulagen oder Ausgleichszahlungen etwa für Wechselschichtarbeit, Nacht-, Feiertags- und Sonntagsarbeit sowie für die Tätigkeit im Maßregelvollzug.

Der LWL bezahlt für Sie (eigenanteilsfreie) Beiträge in eine betriebliche Altersversorgung und auch einen Zuschuss zu vermögenswirksamen Leistungen. Darüber hinaus erhalten Sie eine tarifliche Jahressonderzahlung (das so genannte Weihnachtsgeld). Darüber hinaus besteht tariflich die Möglichkeit, jährlich ein leistungsorientiertes Zusatzentgelt zu vereinbaren.

Hier finden Sie Infos zur KVW-Betriebsrente

Eine Vollzeitstelle im Pflege- und Erziehungsdienst umfasst aktuell 38,5 Wochenarbeitsstunden. Eine Teilzeitbeschäftigung ist in aller Regel möglich. Pflegebeschäftigte arbeiten grundsätzlich vollschichtig im Rahmen von Wechselschichtarbeit. Dies umfasst die klassischen Früh-, Spät- und Nachtschichten sowie daneben bedarfsorientierte Sonderdienste (zum Beispiel Zwischendienste oder später beginnender Spätdienst).

Bei der Dienstplanung sind die Kliniken bemüht, im Rahmen der betrieblichen Erfordernisse auch Ihren individuellen Wünschen möglichst gut Rechnung zu tragen. Ihre geleistete Arbeitszeit wird mit einem modernen elektronischen Zeiterfassungssystem festgehalten und Sie können Ihr persönliches Stundenkonto ständig webbasiert am Computer Ihres Arbeitsplatzes im Auge behalten. Für den Abbau von geleisteten Zusatzstunden bestehen flexible und von Ihnen mit gestaltbare Möglichkeiten des Freizeitausgleichs.

Zunächst einmal erhalten alle neuen Beschäftigten eine mehrtägige zentrale Basisschulung und werden an ihrem Arbeitsplatz fachlich eingearbeitet. Darüber hinaus bieten die LWL-Maßregelvollzugskliniken innerbetriebliche fachspezifische Fortbildungen sowie klinikübergreifende Fort- und Weiterbildungsseminare über die LWL-eigene Akademie für Forensische Psychiatrie (AFoPs). Außerdem besteht die Möglichkeit, weitergehende externe Fort- und Weiterbildungen und sogar Studiengänge mit Unterstützung der Kliniken zu absolvieren. Diese werden je nach Vereinbarung finanziell und durch Freistellungen vom Dienst gefördert. Dadurch werden interessierte Beschäftigte in die Lage versetzt, besondere Aufgaben oder Funktionen auf der Station zu übernehmen, wie etwa als Pflegeexperte oder in der Stationsleitung.

Die LWL-Maßregelvollzugskliniken bieten keine eigenen Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte oder Erzieher/-innen. An den meisten Kliniken besteht aber die Möglichkeit, einen praktischen Ausbildungseinsatz oder das letzte Praxisjahr (etwa in der Heilerziehungspflege) zu absolvieren.